VfB Stuttgart: Dietrich tritt zurück und teilt aus
Es kam beim VfB Stuttgart, wie es nach der stürmischen und vorzeitig abgebrochenen Mitgliederversammlung zu erwarten war: Präsident Wolfgang Dietrich ist von seinem Amt zurückgetreten. Er wäre nach drei Jahren als Klubchef, in denen der VfB wieder einmal abgestiegen ist, wohl vorzeitig abgewählt worden, wären die Mitglieder nicht vorzeitig aufgrund einer WLAN-Panne nach Hause geschickt worden. Wer allerdings erwartet hat, dass der 70-Jährige seinen Rücktritt für einen ruhigen und würdevollen Abschied nutzen würde, wird beeindruckend eines Besseren belehrt. Dietrich nutzt seinen Rücktritt, um heftig gegen seine Gegner auszuteilen.
Dietrichs Opfer-Inszenierung
Bemerkenswert ist schon die Art, wie Dietrich zurückgetreten ist. Er verkündete diesen Schritt via Facebook und nicht über die Vereinswebseite. Diese musste den Beitrag des 70-Jährigen aus dem sozialen Netzwerk nutzen, um selbst eine Nachricht zu verfassen. Bei Facebook erklärte Dietrich, er lasse sich seine Würde und Ehre nicht von denjenigen nehmen, „die ihre Macht lautstark und mit verbaler Gewalt“ ausdrückten. Und er werde sie sich auch nicht von den Personen nehmen lassen, „die sich schon seit langem an den guten gefüllten Töpfen unseres Klubs bedienen möchten.“ Namen nennt die Dietrich nicht. Anschuldigungen gegen anonyme Gegner verbreiten hat beim 70-Jährigen allerdings ohnehin System.
Dietrich kritisiert sich ungewollt selbst
Er wolle außerdem keiner Organisation vorstehen, die nicht willens sei, mit ihm gegen diese Interessen zu kämpfen, so der scheidende Präsident weiter. Dies ist noch einigermaßen nachvollziehbar. Dann allerdings fährt der 70-Jährige mit einer Bemerkung fort, die einfach nur peinlich ist und ihm selbst schadet: Er wolle auch keiner Organisation vorstehen, die nicht in der Lage sei, eine ordnungsgemäße Mitgliederversammlung durchzuführen. Als Präsident fiel diese Aufgabe in seinen Zuständigkeitsbereich.
Diese Worte passen in das Bild von Dietrichs Präsidentschaft: Angetreten war er mit dem Versprechen, die Schwaben in der Spitzengruppe der Bundesliga zu etablieren. Er geht als Absteiger, der vorzeitig aus dem Amt gejagt werden sollte, sich aber keiner Schuld bewusst ist.